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(Eva-Katharina Nebel, Leiterin der Werkstatt Restaurierung von Schriftgut im Fachbereich Restaurierung an der Fachhochschule Köln)
Unter dem Begriff „Restaurierung“ versteht man hauptsächlich bestimmte Arbeitsmethoden und Verfahren, die der Wiederherstellung der Gebrauchsfähigkeit eines Objektes dienen, des Ausstellens von Objekten oder der Archivierung. Bei letzterem zielen die Methoden darauf, den Alterungsprozess von Objekten so weit es geht hinauszuzögern oder zu verlangsamen.
Die Qualität der Restaurierung hängt aber nicht nur von der handwerklichen Geschicklichkeit des Restaurators ab und der optimalen technischen Einrichtung seiner Werkstatt. Vielmehr ist die Auswahl der Restauriermethoden entscheidend für das Ergebnis. Dazu stehen dem Restaurator die Hilfswissenschaften Restaurierungsarchäologie und Restaurierungsethik zur Verfügung.
Die Restaurierungsarchäologie umfasst die wissenschaftliche und gründliche Untersuchung der Materialien und des Materialaufbaus sowie deren Alterungs- oder Schadensursachen mit Hilfe naturwissenschaftlicher Geräte. Außerdem werden die konstruktiven Eigenheiten eines Objektes erfasst. In der Buchrestaurierung betrifft das besonders die bindetechnischen Merkmale. Diese erlauben Rückschlüsse auf die Geschichte des Buches, die Provenienz, auf die Herstellung in bestimmten Werkstätten, Gepflogenheiten in den Epochen, Wanderschaft der Handwerker, Benutzung und Stellenwert in einer bestimmten Zeit ...
Die Restaurierethik formuliert Grundsätze, die bei einer Restaurierung einzuhalten sind. Diese werden im folgenden genannt.
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Beschränkung der Restaurierung auf das absolut Notwendige.
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Gezielte und angemessene Behandlung des Schadens.
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Verträglichkeit der Materialien, die bei einer Restaurierung neu eingebracht werden, mit den vorhandenen Materialien unter Beachtung chemischer Wechselwirkungen.
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Reversible Restaurierung.
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Die durchgeführte Restaurierung darf spätere wissenschaftliche Untersuchungen nicht behindern.
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Anfertigung einer Restaurierungsdokumentation. Diese muss sowohl schriftlich als auch fotografisch den Zustand des Objektes darstellen (vgl. Restaurierungsarchäologie), die ausgewählte Methode begründen, alle Restaurierungsschritte beschreiben, die verwendeten Materialien auflisten.
Abschließend muss darauf hingewiesen werden, dass die Restaurierung noch eine sehr junge Wissenschaft ist, die Kenntnisse im Entstehen sind. Es fehlt an einer standardmäßigen Erfassung oder zentralen Datenbank. Bei einer Restaurierung besteht die Gefahr, Elemente zu verändern, ohne sich dessen bewusst zu sein. Hier liegt die hohe Verantwortung für den Restaurator: nur er erhält im Lauf der Restaurierung, wenn bestimmte Teile freigelegt werden müssen, Informationen über versteckte Bestandteile. Deren Bedeutung kann nur durch die hochwertige Ausbildung des Restaurators bewusst gemacht werden.
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